FGL Beitrag im Hallo Radolfzell am 01.03.2018

Die Seetorquerung bleibt ein Fass ohne Boden

Seit dem Grundsatzbeschluss des Gemeinderates von 2011 zur neuen Seetorquerung mussten die hierfür erforderlichen Kosten von seinerzeit 14,5 Mio.€ mehrfach und drastisch nach oben korrigiert werden. Nach der aktuellen Kostenfortschreibung der Vorzugsvariante und der Kostenermittlung der abgespeckten Varianten, die dem Gemeinderat nun leider wieder nur unvollständig vorgelegten wurden, ist klar, dass keine der vorgelegten Varianten zu verantwortbaren Beträgen zu realisieren sein wird. Die Gesamtkosten für die Unterführungsvarianten werden sich – bis zur beabsichtigten Fertigstellung 2022 und bei Berücksichtigung aller tatsächlich anfallenden Kosten – in einer Spanne von mindestens 26 Mio.€ (abgespeckte Varianten) bis über 30 Mio.€ (Vorzugsvariante) belaufen.
Ebenso ernüchternd ist, dass nach wie vor – und entgegen aller Ankündigungen – keine belastbare Zusage für eine Aufstockung der gedeckelten Landeszuschüsse von 5 Mio.€ vorliegt. Die Stadt wird daher für den Neubau einer Bahnunterführung zum See mindestens 21 bis 25 Mio.€ aus dem städtischen Haushalt selber finanzieren müssen. Ist eine Seebrücke eine gute und verantwortbare Alternative?
Parallel zur Kostenbetrachtung für den Neubau einer abgespeckten Unterführung wurde im vergangen Jahr ein Brückenwettbewerb durchgeführt. Dem Gemeinderat wurden aber leider nicht alle erforderlichen Unterlagen zu den ersten 4 Preisträgern vorgelegt. Die Vorteile einer zusätzlichen Seebrücke mit barrierefreier Bahnsteig-anbindung liegen auf der Hand. Zusätzlich zur bestehenden Bahnhofsunterführung wird ein zweiter oberirdischer Seezugang für Fußgänger und Radfahrer geschaffen, die Kosten sind geringer und verlässlicher kalkulierbar.

Seebrücke neben der bestehenden Unterführung
Ob eine neue Seebrücke direkt neben der bestehenden Unterführung von vielen angenommen wird, ist sehr fraglich, da für die meisten FußgängerInnen und RadfahrerInnen wegen des Höhenunterschieds die bestehende Unterführung die attraktivere Seeanbindung sein wird. Zudem ist es fraglich, ob die sehr schwierige und teure Gründung dieser Seebrückenvariante in der Flachwasserzone überhaupt genehmigungsfähig ist.

Seebrücke am Obertor
Klare Vorteile hat hingegen eine Seebrücke vom Obertor (Kapuzinerareal), die über die Bahngleise gemächlich zum See führt. Hiermit entsteht vom höchsten Punkt der Altstadt für die FußgängerInnen und RadfahrerInnen eine attraktive Anbindung zum See und eine zusätzliche barrierefreie Bahnsteiganbindung Zudem ist eine einfache Gründung dieser Seebrücke möglich und die bestehende Unterführung beim Bahnhof bleibt bestehen. Ein echter Mehrwert für Alle zu vertretbaren Kosten in Höhe von ca. 14 Mio.€!